Gecoachte Coaches, oder: Über die Mär vom „machbaren“ Glück

Gecoachte Coaches, oder: Über die Mär vom „machbaren“ Glück

Wer wünscht sich nicht mehr freie Zeit und finanzielle Freiheiten? Und wer würde eine ihr / ihm angebotene Unterstützung ausschlagen, wenn das Versprechen lockt, dass es einen einfachen und geradezu „sicheren“ Weg der Zielerreichung gibt? Vor allem dann nicht, wenn die unternommenen Anstrengungen wiederholt nicht zum Ziel führen und man an den gewählten Strategien und irgend wann einmal auch an sich selbst zweifelt.

Üblicherweise sind es die Klienten, die mit solchen Wünschen bei einer / einem Coach vorstellig werden. Was aber, wenn ein/e Coach weniger arbeiten und gleichzeitig mehr verdienen möchte? Spontan würde man denken, dass Beratungsleistungen dieser Art das Business von Unternehmensberater/innen sind. Was aber soll man davon halten, wenn Coaches behaupten, den „ultimativen“ Schlüssel zum finanziellen Erfolg, zum Glück zu besitzen? Um diesen freudig, als „Herzensziel“ teilen zu wollen? Leere Versprechungen, Aufschneiderei, Geschäftemacherei? Letzteres dürfte nicht ganz abwegig sein, denn natürlich gibt es den Schlüssel zum Erfolg nicht kostenlos. Weshalb die „Herzenssache“ in erster Linie jene glücklich macht, die versprechen, andere glücklich machen zu wollen.

Nicht verwunderlich ist, dass die beobachtbare Goldgräberstimmung sich im Netz ereignet und dort ihre Blüten treibt. Folgt man den Aussagen der hier zur Kritik stehenden Plattformen (die aus Gründen der Fairnis nicht namentlich vorgeführtt werden), erweist sich das „Online Coaching Business“ (man achte auf die Wortwahl) als der Schlüssel zum Erfolg. Mit standardisierten Textbausteinen, in Verbindung mit „smarten“ Softwaretools werden mit wenig zeitlichem Aufwand „Kommunikationen“ produziert, die einen individuellen Dialog vorgaukeln. Zahlt die Kundin oder der Kunde für solche Leistungen, ist das in der Tat leicht verdientes Geld. Hilft das Marketing im Netz dabei, möglichst viele Kundinnen und Kunden zu erreichen, lassen sich unter Umständen tatsächlich nennenswerte Umsätze generieren.

Doch warum sind die allseits aus dem Boden schießenden Unternehmen (egal ob in Form einer AG oder als Personenunternehmen verfasst), die „Glück“ verkaufen, eine kritisch-fachliche Bemerkung wert? Wäre es nicht sinnvoller, solche Auswüchse einfach zu ignorieren?
Nicht, wenn man in Rechnung stellt, dass viele Ratsuchende sich schwer tun, sich einer ihnen fremden Person anzuvertrauen und sehr intime Einsichten in das persönliche Denken und Fühlen zu gestatten. Nicht, wenn man bedenkt, dass es in der Bevölkerung nicht wenige Vorurteile gegenüber der sozialpädagogischen / psychologischen Profession gibt. Letzteren kann nur durch seriöses Arbeiten begegnet werden. Angebote, die in reißerischer Aufmachung das Glück versprechen, werden sicherlich Kundinnen und Kunden finden, mit Sicherheit aber auch Enttäuschungen erzeugen. Die Auswirkungen beschädigen leider nicht nur die Verursacher, sondern die gesamte Profession – frei nach dem Motto: „Man hätte es wissen müssen …“.
Und was ist davon zu halten, wenn Coaches sich zu „Business Coaches“ coachen lassen wollen? Die Antwort, dass, wer auf solche Versprechen hereinfällt, selbst schuld ist, geht am Problem vorbei: nämlich der Preisgabe berufsethischer Verpflichtungen und Haltungen sowie der Preisgabe beruflicher Seriosität.
Sieht man die hier behandelten Angebote als Testfall, haben sich primär diejenigen blamiert, die der Verlockung erliegen, sich vom seriösen Coach zum „Business Coaches“ entwickeln zu wollen.

2017-09-05T07:04:58+00:00 05.09.2017|