„Online-Beratung ist die Zukunft. Was ist die Zukunft der Online-Beratung? 
Ein aufregender Ausflug in die Welt von Robotiks, Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Brain Hacking.“

Aufregend kann der Ausflug in die Welt der Robotik und der „intelligenten“ Algorithmen sein, weil Technik erfolgreich immer mehr Felder des menschlichen und beruflichen Lebens erobert und verändert, die bisher menschlicher Aktivität vorbehalten waren.

Viele Angehörige der psychosozialen und therapeutischen Profession fühlen sich noch sicher und meinen, sie seien vor den Auswirkungen der „Digitalisierung“ geschützt, weil das beratende Gespräch und das therapeutische Einwirken doch eine exklusiv menschliche Domäne sei.

Dieses „spezifisch Menschliche“ erscheint im Lichte der aktuellen Entwicklung allerdings deutlich überschätzt und könnte sich am Ende als Mythos herausstellen.

Ist womöglich gar damit zu rechnen, dass die Profession der Berater*innen/Therapeut*innen irgendwann ganz überflüssig wird und Maschinen und Implantate uns ersetzen? Quo vadis, Online-Beratung? Quo vadis face-to-face Beratung?

Wir freuen uns, dass wir für eine Reise in die postdigitale Gesellschaft den Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Dirk Baecker (Uni Witten/Herdecke) und für einen Blick in die nahe Zukunft unserer Gehirne (Brain-Hacking) Prof. Dr. Martin Korte (Uni Braunschweig) gewinnen konnten. Den Inhalt der Vorträge entnehmen Sie bitte den kurzen Abstracts unter „Programm 2020“.

Workshops, ein Open Space und verschiedene Aussteller*innen im Foyer reichern die Tagung zusätzlich an. Sobald die Referent*innen und Themen feststehen, wird das nachstehende Programm ergänzt.

Am Vormittag des ersten Tages findet von 9 – 11 Uhr eine Informationsveranstaltung für interessierte Neulinge in der Online-Beratung statt, auf der es möglich ist, sich grundsätzlich und umfangreich zu informieren. Dafür ist eine gesonderte Anmeldung nötig.

Programm 2020

Freitag, den 24.4.2020

(9 bis 11 Uhr: Einführung und Informationsveranstaltung für Neulinge in der Online-Beratung: Helmut Kreller und Heinz Thiery.)

13 Uhr: Anmeldung, Stehkaffee

14 Uhr. Begrüßung durch den Vorsitzenden und die Vorbereitungsgruppe

14:30 Uhr bis 16:00 Uhr: Vortrag Prof Dr. Dirk Baecker: „Auf dem Weg in die postdigitale Gesellschaft“ mit anschließender Diskussion

Digitalisierung war gestern. Die postdigitale Gesellschaft ist das Schlagwort der Stunde. Und tatsächlich geht es schon längst nicht mehr um die Einführung des Computers, seiner Programme, Netzwerke und Algorithmen in die Gesellschaft, sondern umgekehrt um die Einbettung gesellschaftlicher Prozesse und menschlicher Erwartungen in die von elektronischen Medien, digitalen Apparaten und neuen Plattformen gebotenen Möglichkeiten. Es geht um das Design analoger Schnittstellen zu den Medien künstlicher Intelligenz. Für die Online-Beratung bedeutet das, dass hinter jeder Beratungsleistung beides spürbar sein muss, die künstliche Intelligenz der Berechnung großer Datenmengen und die menschliche Intelligenz der klugen Auswahl und sinnvollen Zwecke. Wie bekommt man diese beiden Anforderungen unter einen Hut?

Prof. Dr. Dirk Baecker hat den Lehrstuhl für Kulturtheorie und Management an der Universität Witten/Herdecke inne. Zuletzt erschienen seine Bücher 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt (Merve Verlag, 2018) und Intelligenz, künstlich und komplex (Merve Verlag, 2019)

17 Uhr bis 18:30 Uhr: Workshops

19 Uhr: Gemeinsames Abendessen im Tagungshaus (verbindliche, kostenpflichtige Anmeldung erforderlich)

20:15 Uhr: Filmangebot

Samstag, den 25.4.2020

9 Uhr bis 10:15 Uhr: Begrüßung und Vortrag Prof. Dr. Martin Korte: „Gehirne im digitalen Wandel. Anmerkungen eines Hirnforschers“ mit anschließender Diskussion

Memozettel, Aufgabenchecklisten oder der berühmte Knoten im Taschentuch: Wir helfen unserem Gedächtnis mit vielen unterschiedlichen Mitteln auf die Sprünge. Denn jeder Mensch lernt anders, merkt und erinnert sich anders bzw. speichert die Informationen in seinem Gedächtnis anders ab. Wie wird aber aus Information Wissen und aus Wissen Bildung und wie leiten sich daraus mögliche Änderungen unserer Gewohnheiten und Handlungen ab? Gedächtnisprozesse im Gehirn verändern die Verschaltungen des gesamten Gehirns und damit auch die Art und Weise, mit der wir die Welt sehen – es gibt im Gehirn keine separate Festplatte, die die Informationen speichert. Wie verändert sich Lernen, wenn anstelle von Menschen Telemedien oder gar Hirnimplantate zum Einsatz kommen? Kann die künstliche Intelligenz Lern- und Verhaltensprozesse effektiver und nachhaltiger beeinflussen als die von fehleranfälligen Menschen durchgeführten Therapieprogramme? Was bedeutet der Einsatz von Computer-Hirn-Schnittstellen und der Möglichkeiten des so genannten Brainhackings für die Beratung (= helfende Kommunikation und lehrende/lernende Einwirkung auf ein ratsuchendes Gegenüber)?

Prof. Dr. Martin Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und Direktor des Zoologischen Institutes, und war 2010-2012 Vizepräsident der TU Braunschweig. Martin Korte erforscht die zellulären Grundlagen von Lernen und Gedächtnis, ebenso wie die Vorgänge des Vergessens. Er ist einer der meistzitierten deutschen zellulären Neurobiologen.

10:45 Uhr: Open Space

12:30 Uhr: Präsentation der Ergebnisse im Plenum

13 Uhr: Feedback und Verabschiedung durch den Vorsitzenden

—————————————————————– Hinweis ————————————————————————-

Im Anschluss an die Tagung findet um 14 Uhr die Mitgliederversammlung der DGOB statt, interessierte Gäste sind herzlich willkommen.

Tagungshaus

Hermann-Ehlers Haus, Berlin Alt-Wittenau (Hermann-Ehlers-Haus Berlin)