Die Jahrestagung 2019 stand unter dem Motto „Psychosoziale Beratung in der mediatisierten Gesellschaft“ und fand vom 16.03. bis 17.03.2019 in Berlin (Hermann-Ehlers-Haus, Alt Wittenau) statt.

Die beiden Fachvorträge wurden uns von den Referenten, Herrn Prof. Dr. Markus Appel (Würzburg) und Heinz Thiery (Dudenhofen), dankenswerter Weise in ausformulierter Form zur Verfügung gestellt.

Vortrag Prof. Dr. Appel:  „Belastbare Befunde zu den Chancen und Risiken von social media und Co.“

Abstract:
Digitale Medien sind, so selbstverständlich wie nie zuvor, Teil unseres Alltags. Damit verbunden sind Befürchtungen, dass vor allem die intensive Computer –und Internetnutzung negative Konsequenzen aufweist. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick zum Forschungsstand über die Auswirkungen der Nutzung von Computer und Internet. Neun populäre Mythen werden identifiziert und mit Hilfe einer Zusammenschau von meta-analytischen Befunden auf deren wissenschaftlichen Gehalt überprüft. Im Mittel der aggregierten Ergebnisse finden sich keine Belege dafür, dass die Nutzung digitaler Medien zur sozialen Vereinsamung führt, gesellschaftlich – politisches Engagement verhindert oder die selbstberichtete Einsamkeit erhöht. Die Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Wohlbefinden bzw. Depressivität sind sehr klein, aber signifikant, wie auch die Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Bildschirmmedien und Übergewicht. Im Mittel zeigt sich ferner, dass das Lernen mit Computer und Internet, inklusive Lernspiele, positive Konsequenzen haben kann. Allerdings sind die negativen Auswirkungen von gewalthaltigen Videospielen auf aggressives Verhalten und Erleben ebenfalls gut belegt. Die Befunde werden mit Blick auf populärwissenschaftliche Publikationen sowie die Rolle der Psychologie diskutiert.

Download: Digitale Demenz? Mythen und wissenschaftliche Befundlage zur Auswirkung von Internetnutzung

Vortrag Heinz Thiery: „Metaphorik der Digitalität – Über den (Nicht-)Erklärungswert etablierter Begrifflichkeiten zur Beschreibung der Online-Kommunikation“.

Abstract:
Viele der zur Darstellung medieninduzierter Veränderungen und Unterschiede genutzten Begrifflichkeiten und Ausdrücke produzieren Leerstellen und Wortnebel, weil deren kontextspezifische Bedeutung nicht oder nur unzureichend expliziert wird. Sie halten weder einer sprachwissenschaftlichen noch einer medienphilosophischen Analyse stand. Anhand der drei prominenten Oppositionen ‚offline/online, analog/digital und real/virtuell‘ zeigt der Vortrag, warum aus Sicht des Referenten die am häufigsten genutzten Ausdrücke den Gegenstand ‚Online-Beratung‘ bzw. ‚Online-Kommunikation‘ nicht nur nicht angemessen beschreiben, sondern in einigen Fällen Mystifizierungen produzieren.

Download: Metaphorik der Digitalität

Workshop 1:
„Wie wende ich meine offline erlernten Schulmethoden online an? Austausch und Praxisbeispiele aus der systemischen Beratung und der Verhaltenstherapie“ (Saskia Fester, Hamburg)
Download: Methodentransfer

Workshop 2:
„Online-Beratung ohne Grenzen – Online-Berater*innen ohne Abgrenzung?“ (Katja Höllriegel, Augsburg)
Download: Online-Beratung ohne Grenzen

Workshop 3:
„Was macht Text mit mir – Was mache ich aus Text? Offene Werkstatt zu Hermeneutik und Konstruktivismus in der Online-Beratung“(Helmut Kreller, Erlangen/Berlin)
Download: Was macht Text mit mir- Was mache ich mit Text?

Workshop 4:
„Die DS-GVO und ihre Auswirkungen auf die beratende Profession“ (Heinz Thiery, Dudenhofen)
Download: DSGVO und psychosoziale Beratung