Unsere Weltbilder sind sprachlicher Natur …

Unsere Weltbilder sind sprachlicher Natur …

… leider hat dies aktuell niemand besser verstanden und für die eigenen Interessen zu nutzen gewusst als das Team des neuen amerikanischen Präsidenten. Elisabeth Wehling weist in einem lesenswerten Artikel darauf hin, dass Trump und sein Team sensibel darauf geachtet haben und weiterhin darauf achten, nicht im „Frame“ der Demokraten (d.h. der „Gegner“) zu sprechen. Anders formuliert: sie vermeiden strikt die Verwendung von Metaphern, die auf Faktisches rekurrieren, deren Wahrheitsgehalt von den verhassten Medien jederzeit in Frage gestellt werden kann – und damit auch die Person, die diese „Fakten“ verkündet hat (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/was-gut-ist-und-was-boese-fakten-waren-noch-nie-entscheidend/19376884.html).

Die Bedeutung von Metaphern im Sinne eines mentalen Konzepts hat George Lakoff erforscht (vor allem: Metaphors we live by, 1980). Im Jahr 2012 erscheint ein interessanter Artikel in der Zeit (http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Sprache-Worte-Wahrnehmung), der die Strategie der so genannten Populisten analysiert: der Kampf um innere Einstellungen vermittels  Wort-Spielen (Metaphern) oder Parolen.  Rückgriffe auf Fakten führen zu einer komplizierten Argumentation, die verhindert, dass Dinge vereinfachend auf den (sprachlichen) Punkt gebracht werden können, um jene Menschen abzuholen, deren Denkkonzepte auf der Basis solcher Vereinfachungen funktionieren.

Wenn es den behaupteten engen Zusammenhang zwischen Spracherwerb und persönlichen Denkmustern gibt, muss das Bildungssystem schleunigst darauf reagieren. Nicht durch die Entlarvung „post-faktischer Wahrheiten“ als Lüge (das wäre zu einfach und wiederum angreifbar), sondern indem die Mechanismen der Bildung persönlichen Weltanschauungen analysiert und zugänglich gemacht werden. Damit die Individuen in die Lage versetzt werden, wahrnehmen zu können, warum sie ihre „eigene“ Wirklichkeit so und nicht anders konstruieren.

Psychosozialen BeraterInnen sind die Erkenntnisse der kognitiven Linguistik keineswegs neu, allerdings gewinnen sie im Umfeld einer technisch ausgeweiteten Kommunikation verstärkt an Bedeutung. Fragen wie: welche Sprachkonstrukte sind Mitverursacher der Problem generierenden Denkmuster der KundInnen, welche Interventionen sind besonders geeignet, die Ursachen aufzuklären und deren Einfluss (dauerhaft) zu revidieren stehen im Fokus und verlangen Diskurse, die den Einfluss der so genannten neuen Medien reflektieren.

2017-02-27T12:56:17+00:00 27.02.2017|